Welpenaufzucht – FNS, Prägung und Sozialisierung

 

 

Der Welpe, der zu Euch ins Haus kommt, ist die Summe seiner bisherigen Erfahrungen.

Deshalb möchte ich einen kleinen Einblick in unsere Welpenaufzucht geben.

Wir achten bereits ab beginnender Läufigkeit darauf, dass die Hündin sowenig Stress wie möglich ausgesetzt wird. Und zwar bis zur Geburt der Welpen. Denn der Grundstein für die spätere Persönlichkeitsentwicklung des Welpen werden nicht erst gelegt, wenn der Welpe geboren ist, sondern bereits im Mutterleib. Ein neugeborener Welpe ist also kein unbeschriebenes Blatt!

 

Im letzten Drittel der Trächtigkeit verwandelt sich unser Ess-Zimmer in ein Welpenzimmer. Eckbank und Tisch weicht dann der Wurfkiste, damit sich die Hündin langsam an die Wurfbox gewöhnen kann und sich Alle langsam auf das bevorstehende Ereignis einstellen können. Ab diesem Zeitpunkt verlege ich auch mein Schlaflager ins Wohnzimmer. Mein 24/7-Dienst beginnt, da Tammy da auch öfter mal nachts

Das Wurflager ist bei uns so gewählt, dass die Hündin dort einen geschützten Bereich hat und wir dennoch alles, was in der Wurfbox vor sich geht, gut beobachten können, ohne die Hündin zu stressen. Zum Ende der Tragezeit sucht Tammy auch tagsüber immer öfter die Wurfbox auf. Dakota als auch Ashana haben dort Eintrittsverbot. Ausgesprochen von Tammy nur durch Blicke.

 

Das turbulente Rudelleben ist nun nicht mehr das, was eine werdende Mutter möchte. Die Spaziergänge werden ruhiger. In der Zeit gehen wir mit ihr auch öfter einzeln, so dass sie ihre Runden gechillt genießen kann und Dakota und auch Ashana dennoch genügend Auslauf und Bewegung erhalten. So kommen wir den Ansprüchen jedes Hundes individuell entgegen.

 

Die Geburt kündigt sich schon Stunden vorher an – Tammy war unruhig und zeigte deutlich, wie viel Hilfe oder Beistand gerade von uns gefragt ist. So eine Geburt ist eine aufreibende Sache für Züchter und Mutterhündin und kann bis zu 24 Stunden und auch länger dauern.

Während der Geburt der ersten Welpen vom A-Wurf wurde Dakota, zusammen mit Herrchen auf Gassirunde geschickt. Tammy hatte aber kein Problem mit der Anwesenheit des Rüden, daher konnte er in Reichweite bleiben. Beim 2. Wurf waren Dakota und Ashana während der Geburt der ersten Welpen mit Herrchen an der Arbeit und ich bei Tammy.

 

Unsere Tammy hat beide Geburten von A- und B-Wurf sehr instinktsicher gemeistert und die Welpen perfekt abgenabelt, trocken geleckt und gesäugt.  Ich durfte bei beiden Würfen bei der Geburt mit in der Wurfbox sein, da die Hündin mir absolut vertraut. So konnte ich sie  unterstützen mit sanften Worten, Streicheleinheiten und auch bei 2 Welpen eingreifen, weil Tammy von der bis dahin verlaufenden Geburt ziemlich fertig war.  Unsere Welpen werden also bereits vom ersten Atemzug schon an Menschen gewöhnt.

 

 

Nach dem Trockenlecken, den ersten Schlucken Milch, dem Wiegen und erster Begutachtung der Welpen, bekommen die Mama und ihre Babys erstmal Ruhe. Die frischbebackene Mama hat nach der Anstrengung der Geburt Ruhe nötig.

Wir sind 24/7 in Reichweite der jungen Mutter und der Welpen. Falls ein eingreifen nötig wird.  Dakota und auch Ashana halten respektvoll Abstand und beäugen die kleinen Quietschies aus Distanz.

Gewogen wird täglich, um eine Kontrolle über die Gewichtszunahme zu haben. Das Wiegen wird von den Hunden im familiären Sozialverband aus Distanz beobachtet.
 

Vom 3. bis 16. Tag "turnen" wir mit den Welpen nach FNS = FRÜHE NEUROLOGISCHE STIMULATION. Diese Vorgehensweise wurde in den USA (Militär) entwickelt und ist auch unter dem Namen Bio Sensor = Early Neurological Stimulation ENS bzw. Super Dog Programm und in Deutsch FNS = frühe neurologische Stimulation oder Super Dog bekannt. Ich persönlich finde FNS als Namen am treffendsten, da mit den Übungen eben genau das, eine frühe neurologische Stimulation erreicht wird!

Warum wenden wir diese Technik an? Zum Hintergrund ist folgendes zu sagen: Die spätere Leistungsfähigkeit eines Hundes ist laut dieser Studie zu ca. 65% von Training, Förderung, Ernährung und Stimulation und lediglich von rund 35% genetisch abhängig.

Mein Hauptaugenmerk liegt allerdings auf der verbesserten Stressresonanz. Mit den 5 täglichen kurzen (3 - 5 Sekunden) Übungen, bringt man das Nervensystem des Welpen dazu auf kontrollierten Stress zu reagieren. Dies wiederum, wirkt sich positiv auf die spätere Stressresonanz aus.

Da die Welpen in der Wohnung großgezogen werden, bekommen sie ganz selbstverständlich die Geräusche des Haushalts mit. Fernseher, Radio, Kaffeemaschine und Staubsauger, Haartrockner, Topf- und Geschirrklappern usw. helfen dabei, die Welpen an übliche Geräusche des Alltags zu gewöhnen. Zusätzlich zu den alltäglichen Klängen des Lebens spielen wir auch Geräusche-CD‘s ab, sobald sich die Ohren geöffnet haben.

Dakota und beim 2. Wurf auch Ashana sind natürlich neugierig, was sich da in der Wurfbox regt. Aber Tammy entscheidet selbst, ab wann sie den Rest des 4-beinigen Familienverbandes zu den Welpen lässt. In der Regel geschieht dies nach ca. 1 Woche. Wir, mein Mann und ich sind selbstverständlich vom ersten Tag an hautnah mit dabei.
Tammy ist tiefenentspannt im Umgang mit Menschen, daher durfte auch unsere Haustierärztin bereits 1 Tag nach der Geburt zur Kontrolle der Welpen und der Mama neben der Wurfbox sitzen und die Kleinen begutachten. Tammy hat sich ganz selbstverständlich ihre Streicheleinheiten eingefordert.

Bis zur 4. Woche lernen die Welpen als (fremde) Menschen den engeren Familienkreis kennen. Erst ab der 4. Woche erlauben wir Besuchern den Kontakt zu den Kleinen. Ab da kommen fast täglich neue Gerüche von der Außenwelt herein und die kleinen, neugierigen Nasen erhalten viele wichtige Informationen.

 

Ab der 4. Woche dürfen die zukünftigen Welpenbesitzer gerne zu Besuch kommen und die Welpen kennen lernen. Auch Welpenknuddelbesuch verschiedenster lieber Menschen (alt/jung/mit Haaren/ohne Haaren/mit Bart und ohne Bart, Kinder in verschiedenen Altersgruppen usw.) wird ab jetzt gerne gesehen, damit die Welpen Menschen als tolle Wesen kennenlernen können.
 

Die ersten Ausflüge erstrecken sich über das Esszimmer, Wohnzimmer bis hin in die Küche. Wenn die Welpen diese Räumlichkeit sicher unter Beschlag genommen haben, was recht schnell passiert, setzen wir neue Reize in Form von Spielzeugen oder auch Alltagsgegenständen. So trainieren wir mit den Welpen auf spielerische Weise viele Dinge als "normal" anzusehen. Von klappernden Plastikflaschen über Kartons bis hin zu beweglichen Untergründen wie Wippe und Wackelbrett und Alltagsgegenständen wie z. B. Regenschirmen werden hierzu genutzt.
 

Ab der 5. Woche bekommen die Welpen täglich die Möglichkeit sich draußen aufzuhalten. Die Welpen haben jetzt eine Vielzahl an Spielmöglichkeiten, Geräuschkulissen und Erkundungstouren. Die richtige und altersgerechte Auswahl ist uns hierbei besonders wichtig. So können die Welpen beispielsweise ihre Motorik auf dem Wackelbrett oder der Wippe erweitern, sich im Welpentunnel verstecken oder durchflitzen. Sie können draußen neue Eindrücke vom Sonnenstrahl über Straßengeräusche bis zum Vogelgezwitscher aufnehmen und verarbeiten. Sie erleben in ihrem geschützten Bereich vorbeifahrende Autos, Fahrräder, Spaziergänger, die juchzender Weise ihre Freude über süße Welpen kundtun uvm.

 

Auch die ersten Grundkommandos werden spielerisch erarbeitet. 

Das ganze natürlich gut dosiert um die Welpen nicht zu überfordern.

 

Wir arbeiten nicht nach Puppy Culture (einem englischsprachigen Welpenaufzuchtsprogramm), aber sehr ähnlich. Unterstützend stehen uns unsere Tierärzte, sowie auch die Cheftrainerin von unserer hiesigen Hundeschule (Mitglied bei Pro Hunde) mit Rat und Tat zur Seite.

Bis zur Abgabe haben die Welpen somit viele Dinge kennengelernt, mit denen sie im Alltag bei ihren neuen Besitzern konfrontiert werden.
Sie sind bei Abgabe auch geimpft, gechipt und mehrfach entwurmt

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